{"id":204,"date":"2011-12-06T16:09:00","date_gmt":"2011-12-06T15:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/draether.wordpress.com\/?p=204"},"modified":"2014-02-25T23:39:29","modified_gmt":"2014-02-25T22:39:29","slug":"der-waldarbeiter-und-seine-sage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/happycentric.de\/wordpress\/blog\/2011\/12\/06\/der-waldarbeiter-und-seine-sage\/","title":{"rendered":"Der Waldarbeiter und seine S\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit wurde mir die Geschichte eines Waldarbeiters erz\u00e4hlt. Man k\u00f6nnte sie beinahe f\u00fcr ein M\u00e4rchen halten. Und alle M\u00e4rchen beginnen so:<\/p>\n<p>Es war einmal ein Waldarbeiter, der hatte Freude an seiner Arbeit. Deshalb machte es ihm nichts aus, in der Morgend\u00e4mmerung das Haus zu verlassen und sein Tagwerk im Wald zu beginnen.\u00a0Wie jeder andere Waldarbeiter hatte auch er jede Woche ein bestimmtes Quantum Holz zu s\u00e4gen und zu spalten, um den Unterhalt f\u00fcr seine Familie zu verdienen. Anfangs bereitete ihm das kaum M\u00fche. <!--more-->Im Gegenteil. Oft war er schon am fr\u00fchen Nachmittag mit der Arbeit fertig und kehrte zu Weib und Kindern nach Hause zur\u00fcck.<br \/>\nDas waren gl\u00fcckliche Zeiten.<\/p>\n<p>Doch schon bald wurde die Arbeit beinahe unmerklich m\u00fchsamer. Sie ging nicht mehr so leicht von der Hand. Immer \u00f6fter kam er erst sp\u00e4tabends nach Hause, w\u00e4hrend seine Kollegen schon lange gem\u00fctlich bei einem Gl\u00e4schen Blaubeerpunsch am offenen Kamin ihrer H\u00fctten das \u201eHochwald-Echo\u201c lasen.<br \/>\nWas hatte sich ver\u00e4ndert? Warum musste er l\u00e4nger als die anderen arbeiten, um seine Ziele zu erreichen? Lange fand er keine Antwort auf diese Fragen. Und so arbeitete er Tag um Tag l\u00e4nger und l\u00e4nger, fand kaum noch Zeit f\u00fcr Frau und Kinder und kam nur noch zum Essen und Schlafen nach Hause.<\/p>\n<p>Eines Sonntags, als er wieder einmal betr\u00fcbt und nachdenklich durch das Dorf lief, traf er seinen alten Meister auf einer Bank in der Sonne und klagte ihm sein Leid. Der h\u00f6rte sich alles geduldig an. Dann sagte er: \u201eIch wei\u00df, dass du hart arbeiten kannst. Aber \u2013 wann hast du zum letzten Mal deine Werkzeuge gepflegt und gesch\u00e4rft?\u201c \u201eAber daf\u00fcr kann ich doch keine Zeit vergeuden. Ich muss von morgens bis abends arbeiten und ackern, um meine Arbeit zu schaffen! Sonst verhungern mir Weib und Kind. Es reicht so schon kaum noch f\u00fcr das N\u00f6tigste.\u201c \u201eNimm dir Zeit daf\u00fcr.\u201c sprach der Alte.<br \/>\n\u201eAber \u2026 ?\u201c, wollte der Waldarbeiter erwidern.<br \/>\n\u201eGleich morgen fr\u00fch. Bevor du zur Arbeit in den Wald gehst.\u201c Sprach\u2019s, st\u00fctzte sich auf seinen Stock, schloss die Augen und wandte das Gesicht wieder der Sonne zu.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen tat der Waldarbeiter \u2013 widerstrebend \u2013 wie der Alte ihm gehei\u00dfen hatte. Als erstes sch\u00e4rfte er S\u00e4ge und Axt und kontrollierte und reparierte sein \u00fcbriges Werkzeug. Da er diese Aufgabe so lange vernachl\u00e4ssigt hatte, kostete sie ihn den ganzen Vormittag. Die Sonne hatte bereits ihren h\u00f6chsten Stand \u00fcberschritten, als er an diesem Tag im Wald an die Arbeit ging. Heute w\u00fcrde er sein Soll sicher nicht schaffen, dachte er bei sich. Und er sah auch keine Chance, die verlorene Zeit in diesem Monat jemals wieder aufzuholen.<\/p>\n<p>Doch wie erstaunt war er, als das, was gestern noch anstrengend und zeitraubend war, heute wieder leicht und z\u00fcgig von der Hand ging. Schon lange hatte er bei der Arbeit nicht mehr solche Freude empfunden. Es schien, als t\u00e4te sie sich von selbst.<br \/>\nAls er abends nach Hause ging, hatte er sein Tagesziel wirklich nicht erreicht. Doch das k\u00fcmmerte ihn wenig. Morgen w\u00fcrde er ohne M\u00fche den Rest erledigen. Und bis zum Ende der Woche war er mit Sicherheit wieder im Plan.<\/p>\n<p>Von nun an nahm er sich an jedem Montagmorgen Zeit, seine Werkzeuge zu pflegen und zu sch\u00e4rfen und hatte seitdem stets viel Freude und Erfolg bei seiner Arbeit.<br \/>\nUnd wenn er nicht gestorben ist, so lebt er noch heute und ermutigt andere Waldarbeiter, sich Zeit f\u00fcr die Pflege ihres Werkzeugs zu nehmen.<\/p>\n<p>Unsere wichtigsten Werkzeuge in der Software-Entwicklung sind unser Wissen und unser Verstand. Nehmen wir uns also neben unserer t\u00e4glichen Arbeit die Zeit, unseren Verstand zu sch\u00e4rfen und unser Wissen zu pflegen und zu erweitern \u2013 dass wir noch lange Freude an unserer Arbeit haben und sie uns leicht und z\u00fcgig von der Hand geht.<\/p>\n<p><em>Auch ver\u00f6ffentlicht auf <a title=\"Blogisticon\" href=\"http:\/\/blog.holisticon.de\">www.holisticon.de<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit wurde mir die Geschichte eines Waldarbeiters erz\u00e4hlt. Man k\u00f6nnte sie beinahe f\u00fcr ein M\u00e4rchen halten. Und alle M\u00e4rchen beginnen so: Es war einmal ein Waldarbeiter, der hatte Freude an seiner Arbeit. 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