Wer kennt das nicht? Da war noch was, das man in der nächsten Retrospektive unbedingt ansprechen wollte – und nun sitzt man hier, will seine Zettel schreiben und es ist weg. Das kann passieren. Bei längerer Sprintdauer eher als bei 1-Wochen-Sprints. Da hilft nur sofort aufschreiben!

Man kann sich entschließen, im Team das agile Logbuch zu verwenden und jeden Tag über das Geschehene zu reflektieren. Dann hat man am Ende des Sprints eine Sammlung all seiner Gedanken, die in die Retrospektive einfließen können.

Als einen anderen Ansatz wider das Vergessen habe ich bei einem Team den Kummerkasten kennengelernt. Was ist das?

Befragen wir zuerst Wikipedia zum Begriff. Dort finden wir: “Der abstrahierende Begriff Kummerkasten bezeichnet jede Form von Behältnis, das für einen oder mehrere Individuen als Aufbewahrungsort für seelisch belastende Gedanken und Gefühle gilt. Dabei kann es sich auch um einen Kasten im wörtlichen Sinne handeln, in den üblicherweise Schriftgut oder symbolträchtige Gegenstände geladen werden. [...] Der Begriff Kummerkasten hat sich auch in Firmen und anderen Organisationen etabliert. Dabei handelt es sich um Briefkästen, in denen Mitarbeiter oder Mitglieder anonym ihre zu Papier gebrachten Sorgen oder Beschwerden weitergeben können.”

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kummerkasten

Kummerkasten

Das Team hatte einen agilen Kummerkasten aufgestellt, den man mit allem füttern konnte, was in der nächsten Retrospektive nicht vergessen werden sollte. Dazu lagen ein Stift und verschiedenfarbige Zettel immer in der Nähe:

  • Grün: Mir ist etwas Positives aufgefallen, das ich auf jeden Fall lobend erwähnen möchte!
  • Rot: Ich habe etwas Problematisches bemerkt, das wir nicht sofort klären müssen, das aber spätestens in der Retrospektive besprochen werden muss!
  • Gelb: Mir ist eine Verbesserungsmaßnahme eingefallen, die ich in der kommenden Retrospektive mit allen besprechen und bis dahin nicht vergessen will!

So konnte man jederzeit mit wenigen Worten seine Gedanken aufschreiben und einfach einwerfen. Vor der Retrospektive leerte der Scrum Master den Kasten und nahm die Zettel mit in das Meeting. Der Autor bekam die Möglichkeit, genauer auf sein Anliegen einzugehen. Dann landeten sie zusammen mit den während der Retrospektive neu geschriebenen Zetteln in einer der Rubriken: Was war gut? Was wollen wir verbessern? Verbesserungs-Maßnahmen. Nichts ging verloren. Nichts konnte in Vergessenheit geraten.

Eine wunderbar einfaches Tool, das omnipräsent im Teamraum hängt und immer funktioniert, ganz ohne Bits und Bytes.

Einfach mal ausprobieren!

Foto: © stoonn, http://www.sxc.hu/photo/1360564

Auch veröffentlicht auf www.holisticon.de

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