Daily Scrum ist wohl das am häufigsten von (Scrum-)Teams durchgeführte Meeting. Und es gibt dafür eigentlich feste Regelnund drei zentrale Fragen, die im Laufe des Daily Scrum von jedem Team-Mitglied beantwortet werden sollen:

  1. Was habe ich seit dem letzten Daily Scrum erreicht?
  2. Was will ich bis zum nächsten Daily Scrum erreichen?
  3. Was behindert mich dabei?

Bisher habe ich es stets so erlebt und gehört, dass reihum jedes Team-Mitglied die drei Fragen hintereinander beantwortet, ehe das Sprech-Token ( ein Gegenstand, der den aktuellen Redner kenntlich macht) zum nächsten wandert.

Stellt sich die Frage: Muss das so sein? Und vor allem: Ist das so sinnvoll?

Ich habe ein Team getroffen, das die zweite Frage für sich mit ‚Nein’ beantwortet hat. Darauf habe ich auf die erste Frage mit einem zögerlichen ‚Naja … eigentlich … Jein.’ geantwortet, denn – ich kannte es ja nicht anders.

Ein Experiment

Das Team wollte die Fragen in zwei aufeinanderfolgenden Runden beantworten:

  1. Zuerst die Frage, was jeder Einzelne seit dem letzten Daily Scrum erreicht hat.
  2. Danach die Frage, was bis zum nächsten Meeting erreicht werden soll.

Die Hindernisse sollten in dem Kontext benannt werden, in dem sie auftraten, also entweder in Runde 1 oder in Runde 2.

Ziel war, dass jeder sehen kann, was bereits erledigt ist, ehe er sich für einen neuen Task  entscheidet und committet. Oft weiß man natürlich schon im Vorfeld, welche Aufgabe man als nächste übernehmen wird. Es gibt jedoch Fälle, bei denen Abhängigkeiten nicht komplett aufzulösen sind und bestimmte Vorarbeiten erfordern.

Ganz am Rande: Interessant war zu erleben, wie das neue Vorgehen ‚antrainiert’ wurde, denn in der Anfangszeit fielen einzelne Team-Mitglieder häufiger in die ‚alte’ Variante zurück.

Gelebter gesunder Menschenverstand

Nach insgesamt drei Sprints hatte sich die neue Vorgehensweise etabliert und wird bis heute so gelebt. Geradezu ein Paradebeispiel für ‚inspect and adapt’ und Ausdruck einer gehörigen Portion Mut. Respekt!

Wenn Scrum gelebter gesunder Menschenverstand ist, so kann man anhand dieses Beispiels nur dazu ermuntern, ihn auch zu gebrauchen, um innerhalb des agilen Rahmens, den Scrum absteckt, die Dinge so zu gestalten, dass sie für das eigene Team hilfreich und effektiv sind. Denn nichts ist schlimmer, als Verschwendung durch falsch verstandene Prinzipientreue.

Ein Bonbon für den Scrum Master

Ganz nebenbei hat diese andere, neue Vorgehensweise noch einen tollen Effekt für den Scrum Master: Nach der ersten Runde sollte (immer vorausgesetzt, jeder Task dauert nicht länger als einen Tag) die ‚In Progress’-Spalte eigentlich leer sein. Alles, was jetzt dort noch hängt, darf zumindest einmal hinterfragt werden!

Danke Team, dass ich von und mit euch lernen durfte.

Auch veröffentlicht auf www.holisticon.de

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