De Zeven Provinciën *

Manchmal hat man einfach Glück und gewinnt in der großen Lotterie der Zeit einen ersten Preis. Als Hauptgewinner, so fühlte ich mich, als ich unlängst Gelegenheit hatte, aus dem alltäglichen Hamsterrad zu entkommen. Was tun, wenn man auf einmal Zeit hat, mal ganz was anderes zu machen und sich lang gehegte Träume zu erfüllen?

Ich wollte auf die Batavia-Werft und an der Replik der ‘De Zeven Provinciën‘, ein großes hölzernes Schlachtschiff aus dem 17. Jahrhundert, mitbauen. Das war ein Traum, seit ich die Werft im Herbst 2006 zum ersten Mal besucht hatte. Nun hatte ich dafür auf einmal Zeit. Was lag also näher, als es zu tun?

De Zeven Provinciën – Teil eines Eichenspants

Es war nicht ganz einfach, sich für nur zwei Wochen als Freiwilliger für die Arbeit auf der Werft zu melden. Als diese Hürden jedoch erst einmal überwunden waren und ich die richtigen Leute ausfindig gemacht hatte, war alles andere einfach nur wunderbar. Jeden Tag durfte ich etwas Neues lernen und von morgens neun bis nachmittags vier mit den großen Jungs und den großen Maschinen an den gewaltigen massiven Eichenspanten arbeiten. Der Bauplatz, auf dem wir aus rohen dänischen Eichenbohlen Spanten sägten, hobelten und frästen, war nur wenige Schritte vom gewaltigen Spanten-Gerippe des entstehenden Schiffes entfernt und man konnte, wann immer man wollte, einfach losgehen und schauen, an welche Stelle das vergleichsweise kleine Teil gehört, an dem gerade gehobelt und gesägt wurde, dass die Späne nur so flogen.

Da musste ich dann irgendwann doch an meine Arbeit als Scrum-Coach denken und an die Produktvision, die der Product Owner mit allen am Projekt Beteiligten teilen muss, um erfolgreich zu sein.

De Zeven Provinciën – Spantengerüst, Blick von achtern nach vorn

Hier auf der Werft hatte ich die Vision jeden Augenblick vor Augen, konnte mich in ihr bewegen, die bereits realisierten Teile mit den Händen greifen und Stück für Stück sehen, wie sie zur Realität wird. In diesen Momenten begriff ich, wieviel wichtiger und bedeutsamer noch als hier auf der Werft eine gute und begeisternde Produktvision für Softwareprojekte ist. Zumindest in den Köpfen und vor den inneren Augen aller muss ein ähnlich greifbares Bild entstehen, das auf das gemeinsame Ziel einschwört. Denn – haben die Systeme, die wir bauen, auch nicht unbedingt 2250 qm Segelfläche und 80 Kanonen an Bord – so sind sie nicht minder spektakulär in ihren Abmessungen und Leistungsparametern! Leider ist das nicht immer auf so beeindruckende Weise sichtbar.

Kein Grund also, sich zu verstecken. Eher ein gewichtiger Grund mehr, diese beeindruckenden Dimensionen in greif- und begreifbaren Bildern heraufzubeschwören, so dass jeder sie jeden Tag vor sich sieht und weiß, woran und wofür er arbeitet.

Mit der Vision vor Augen.

* Bildquelle: Bruijn, J. R. et al. De 7 Provincien: Een nieuw schip voor Michiel de Ruyter. Franeker, Netherlands: Uitgeverij Van Wijnen, 1997.

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