Wem ist es nicht schon einmal vorgekommen, dass sich innerlich alles gegen eine bestimmte Arbeitsaufgabe sträubt? Wie geht es dann weiter? Die Aufgabe wird wieder und wieder verschoben. Man fühlt förmlich körperliches Unwohlsein, wenn man nur daran denkt, damit zu beginnen. Und dann, unter Aufbietung aller mentalen Kräfte und einer ungeheuren Menge Rüst- und Aktivierungsenergie, wird in einer HauRuck-Aktion die Arbeit erledigt. Das schafft eine ungeheure Erleichterung, oft gefolgt von so etwas wie: war doch gar nicht so wild … wenn ich beim nächsten Mal nicht wieder so lange warte, dann ist der Aufwand sicher nicht so groß …

Mir passiert das z.B. immer dann, wenn es darum geht, das Bad zu putzen. So ähnlich verhält es sich aber auch mit der Erstellung von Reports für übergeordnete Management-Etagen. Diese erfordern, dass zu einem festgelegten Zeitpunkt viele kleine Zellen einer Excel-Tabelle mit noch viel mehr noch kleineren Zahlen gefüllt sein müssen. Da hilft nur: Zähne zusammenbeißen und durch.

Warum ist das so? Warum sträubt sich da im Inneren alles so gegen die kleinen Zahlen oder gegen die Putzaktion im Bad? Ich kann doch mit Excel umgehen, ich weiss, wie man das Bad putzt. Ich habe doch die nötige Kompetenz …

‘Macht eben keinen Spaß, ich mag es einfach nicht …’ höre ich mich murmeln. Und darin liegt der Schlüssel zur Lösung: Neben all unseren Kompetenzen werden wir auch von unseren Präferenzen im Arbeitsumfeld beeinflusst.

Kompetenzen sind die harten Fakten, die man erwerben, messen und belegen kann. Sie verkörpern das Können.
Präferenzen hingegen sind Dinge, die man gern tut, die man bevorzugt und bei denen man motiviert ist, die leicht von der Hand gehen und wobei man die Zeit vergessen kann. Präferenzen verkörpern das Mögen.

Interessant ist: Diese Arbeitspräferenzen kann man messen! Ein Fragebogen mit 60 Fragen findet heraus, wie man mit anderen Menschen bevorzugt umgeht, wie man bevorzugt Informationen beschafft und nutzt, wie man sich und andere organisiert und auf welcher Grundlage man bevorzugt Entscheidungen trifft. Aus den Messwerten wird eine Einordnung in eine Typologie von acht Teamrollen abgeleitet, deren Namen – Informierter Berater, Kreativer Innovator, Entdeckender Promoter, Auswählender Entwickler, Zielstrebiger Organisator, Systematischer Umsetzer, Kontrollierender Überwacher und Unterstützender Stabilisator – bereits deutlich Auskunft über die bevorzugte Arbeitsweise geben. Wichtig dabei zu wissen: Jede dieser Rollen ist für ein erfolgreiches Team gleich wertvoll und wichtig!
Das Ergebnis wird in Form eines individuellen Präferenzprofil-Berichts von beinahe 30 Seiten dargestellt. Dieser Bericht vermittelt neben der Präsentation der Messergebnisse tiefe Einblicke in die eigenen Vorlieben bei der Arbeit. Er erläutert, was man aus genau diesem Grund gern und was man weniger gern tut und gibt Tipps, wie man mit anderen Teamrollen (mit anderen Präferenzen) erfolgreich zusammenarbeiten kann.

Das Team Management RadDas ganze heißt ‘Team Management System’ und wurde von Charles Margerison und Dick McCann in den achtziger Jahren als Ergebnis ihrer Forschungen zu Hochleistungsteams entwickelt. Sie untersuchten damals, warum einige Teams erfolgreicher und leistungsfähiger sind als andere, obwohl die Randbedingungen sich scheinbar nicht unterscheiden.

Ich erfahre in meinem Profil, dass meine Hauptrolle ‘Kreativer Innovator’ ist und ich mich deshalb vorwiegend extrovertiert anderen Menschen nähere, mich und andere flexibel organisiere, holistisch bzw. kreativ mit Informationen umgehe und Entscheidungen eher aus dem Bauch heraus treffe. Das heißt aber auch, dass ich wenig Freude bei Routinearbeiten empfinde und dass ich Mühe haben werde, mich in kleinste Details zu vertiefen. Das passt doch zu meinem inneren Widerstand gegen Bad putzen, oder? Reine Routine … schrubb, schrubb, schrubb … nichts Spannendes … Das erklärt auch die Abneigung gegen die vielen kleinen Zahlen in den vielen kleinen Excelzellen …

Was mir das nun hilft? Ganz einfach! Ich habe mehr Klarheit darüber gewonnen, was ich gern mache und was mir weniger Freude bereitet. Dieses Wissen kann ich nun beispielsweise bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle nutzen. Ich kann mir aber auch Strategien überlegen, wie ich mir eher unbeliebte Arbeiten versüße … vielleicht, indem ich mir eine kleine Belohnung in Aussicht stelle, wenn sie erledigt sind. So geht vieles besser von der Hand. Oder ich kann gezielt Unterstützung organisieren – getreu dem Motto: ‘Fragen Sie doch mal jemanden, der das gern macht!’
Insgesamt kann ich nun im Team und privat besser mit den Auswirkungen der Arbeitspräferenzen umgehen und mir dieses Wissen zunutze machen, um mehr von dem zu tun, was mir Freude bereitet … und davon haben letzlich wieder alle etwas.

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